Dekubitus dokumentieren: Anforderungen, Klassifikation und Vorlage
EPUAP-Kategorien, Pflichtangaben und eine praxisnahe Struktur für die Dekubitus-Dokumentation.
Stand: September 2026
Ein Dekubitus (Druckgeschwür) gehört zu den am häufigsten geprüften Themen in der Pflegequalität — und zu den Wunden mit den höchsten Anforderungen an die Dokumentation. Wer die Kategorisierung, Pflichtangaben und den Verlauf sauber erfasst, ist bei Qualitätsprüfungen, Kostenträger-Anfragen und im Haftungsfall auf der sicheren Seite.
Was ist ein Dekubitus?
Ein Dekubitus ist eine lokal begrenzte Schädigung der Haut und/oder des darunterliegenden Gewebes, die in der Regel über einem knöchernen Vorsprung entsteht — infolge von Druck oder einer Kombination aus Druck und Scherkräften. Typische Lokalisationen sind Steißbein, Fersen, Hüfte und Schulterblätter.
Die vier EPUAP-Kategorien im Überblick
Die international anerkannte Einteilung stammt vom European Pressure Ulcer Advisory Panel (EPUAP) in Zusammenarbeit mit dem NPIAP (National Pressure Injury Advisory Panel). Sie ersetzt die älteren Begriffe „Grad" (nach Shea, 1975) und „Stadium" (nach Seiler, 1979), die im Sprachgebrauch aber weiterhin gebräuchlich sind.
| Kategorie | Beschreibung |
|---|---|
| Kategorie I | Nicht wegdrückbare Rötung bei intakter Haut, meist über einem knöchernen Vorsprung. Bei dunkel pigmentierter Haut ist die Rötung oft schwerer zu erkennen. |
| Kategorie II | Teilverlust der Haut (Epidermis bis Anteile der Dermis) — klinisch als flache, offene Wunde oder intakte/rupturierte Blase sichtbar. |
| Kategorie III | Verlust aller Hautschichten; subkutanes Fettgewebe kann sichtbar sein, Knochen, Sehnen oder Muskeln liegen nicht frei. |
| Kategorie IV | Vollständiger Gewebeverlust mit freiliegenden Knochen, Sehnen oder Muskeln. |
| Uneinstufbar | Wundgrund durch Beläge oder Nekrosen verdeckt — die tatsächliche Tiefe ist nicht beurteilbar. |
| Vermutete tiefe Gewebeschädigung | Lokal begrenzte, violette oder rötlich-braune Verfärbung intakter Haut oder blutgefüllte Blase durch Schädigung des darunterliegenden Weichteilgewebes. |
Wichtig: Eine einmal höhere Kategorie wird bei Abheilung nicht "zurückgestuft" (z. B. von Kategorie IV auf III) — der Wundverlauf wird stattdessen mit Beschreibungen wie "in Abheilung befindlicher Dekubitus Kategorie IV" dokumentiert. Diese Praxis ist in Leitlinien und Fachliteratur etabliert.
Pflichtangaben für eine vollständige Dekubitus-Dokumentation
Für eine MDK-/MD-fähige und rechtlich belastbare Dokumentation sollten mindestens folgende Angaben pro Statuseintrag erfasst sein:
- Lokalisation (möglichst exakt, z. B. "Steißbein, rechts der Medianlinie")
- Kategorie/Grad nach EPUAP-Klassifikation mit kurzer Begründung
- Wundgröße (Länge, Breite, Tiefe, Fläche) — idealerweise fotografisch mit Maßstab dokumentiert
- Wundgrund und Wundrand (Beläge, Granulationsgewebe, Nekrosen, Unterminierungen)
- Exsudat (Menge, Farbe, Geruch)
- Schmerzangabe der betroffenen Person, soweit möglich
- Datum und erhebende Pflegeperson
- Durchgeführte Maßnahmen (Reinigung, Wundauflage, Druckentlastung)
- Risikoeinschätzung (z. B. Braden- oder Norton-Skala) zu Beginn und bei Statusänderung
Fehlt eine dieser Angaben regelmäßig oder widersprechen sich Kategorie und Beschreibung im Verlauf, zählt das bei Qualitätsprüfungen zu den häufigsten Beanstandungen.
Praxisnahe Struktur für den Dokumentationsablauf
- Risiko einschätzen — Bewegungseinschränkung, Mobilität und weitere Risikofaktoren bei Aufnahme und bei Veränderung des Gesundheitszustands neu bewerten.
- Hautinspektion regelmäßig durchführen und auffällige Stellen sofort dokumentieren, idealerweise im Rahmen der ohnehin stattfindenden Mobilisation und Körperpflege.
- Wunde fotografieren mit Maßstab im Bild, senkrecht und bei vergleichbarer Beleuchtung — siehe dazu den Leitfaden zur Wundfotografie.
- Kategorie und Maße festhalten, idealerweise mit automatischer Flächenberechnung statt manuellem Ausmessen.
- Verlauf über mehrere Statuseinträge vergleichbar halten — gleiche Perspektive, gleicher Maßstab, gleiche Lagerung der betroffenen Person.
Digitale Unterstützung für die Dekubitus-Dokumentation
WundBüro bildet Dekubitus-Statuseinträge strukturiert ab: Lokalisation, Kategorie, Wundbett, Wundrand, Exsudat und Maße werden in festen Feldern erfasst, die Fläche wird per KI-Vermessung aus dem Foto berechnet, und der Verlauf über mehrere Statuseinträge ist als Kurve sichtbar. Details zur Erfassung finden Sie in der Dokumentation zum Wundstatus und zur Flächenmessung.
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Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung oder pflegefachliche Schulung. Maßgeblich sind die jeweils geltenden Leitlinien (z. B. EPUAP/NPIAP, DNQP-Expertenstandard) und die Vorgaben Ihrer Einrichtung.
Häufige Fragen
Welche Dekubitus-Klassifikation ist aktuell gültig?
Maßgeblich sind die vier Kategorien nach EPUAP/NPIAP (European Pressure Ulcer Advisory Panel / National Pressure Injury Advisory Panel), ergänzt um die Sonderkategorien 'uneinstufbar' und 'vermutete tiefe Gewebeschädigung'. Die früher gebräuchlichen Begriffe 'Grad' (nach Shea) oder 'Stadium' (nach Seiler) werden in aktuellen Leitlinien durch 'Kategorie' ersetzt, sind in der Praxis aber weiterhin verbreitet.
Muss ich in der Dokumentation 'Grad' oder 'Kategorie' schreiben?
Verwenden Sie im internen Sprachgebrauch, was in Ihrer Einrichtung etabliert ist — meist ist das ohnehin austauschbar gemeint. Für die Abrechnung und Qualitätsprüfung ist entscheidend, dass die Einstufung nachvollziehbar begründet und die zugrunde liegenden Beobachtungen (Gewebeschicht, Wundgrund, Wundrand) dokumentiert sind, nicht die exakte Wortwahl.
Was passiert, wenn die Dekubitus-Dokumentation lückenhaft ist?
Bei Qualitätsprüfungen (z. B. durch den Medizinischen Dienst) zählen widersprüchliche oder fehlende Angaben zu Dekubituskategorie, -lokalisation oder -verlauf zu den häufigsten Beanstandungen. Lückenhafte Dokumentation kann außerdem im Streitfall die Beweislage der Einrichtung schwächen, da die Pflegedokumentation regelmäßig als Nachweis ordnungsgemäßer Behandlung herangezogen wird.