Wundfotografie: Wunden richtig fotografieren und dokumentieren

Einwilligung, Maßstab, Licht und DSGVO — der Praxisleitfaden für vergleichbare, verwertbare Wundfotos.

Stand: Juli 2026

Ein gutes Wundfoto sagt mehr als jede Beschreibung — aber nur, wenn es vergleichbar, messbar und rechtssicher ist. Unscharfe Bilder ohne Maßstab, wechselnde Perspektiven oder Fotos in der privaten Handy-Galerie machen die Fotodokumentation wertlos oder sogar zum Datenschutzrisiko. Dieser Leitfaden zeigt, wie aussagekräftige Wundfotos in der Praxis gelingen.

Vor dem ersten Foto: Einwilligung und Datenschutz

Wundfotos sind Gesundheitsdaten im Sinne von Art. 9 DSGVO und damit besonders geschützt:

  • Holen Sie eine dokumentierte Einwilligung der Patientin bzw. des Patienten (oder der gesetzlichen Vertretung) ein.
  • Fotografieren Sie keine identifizierenden Merkmale mit, wenn es vermeidbar ist — Gesicht, Tätowierungen, Schmuck.
  • Speichern Sie Fotos niemals in der privaten Foto-Galerie eines Smartphones. Automatische Cloud-Backups (private iCloud-, Google-Konten) sind ein klassischer DSGVO-Verstoß.
  • Verwenden Sie eine dedizierte Dokumentationslösung, die Fotos direkt und verschlüsselt der Patientenakte zuordnet.

Die 7 Regeln für vergleichbare Wundfotos

  1. Zeitpunkt standardisieren: Foto nach der Wundreinigung, vor der neuen Wundauflage.
  2. Maßstab anlegen: Ein Einmal-Lineal oder Maßstab-Sticker direkt neben der Wunde macht die Größe objektiv nachvollziehbar und ermöglicht die digitale Vermessung.
  3. Senkrecht fotografieren: Kamera parallel zur Wundfläche halten — schräge Winkel verzerren Form und Größe.
  4. Abstand konstant halten: Immer aus ähnlicher Entfernung fotografieren, sodass Wunde und Maßstab das Bild ausfüllen.
  5. Gleichmäßig beleuchten: Tageslicht oder neutrale Raumbeleuchtung; direkten Blitz vermeiden, da er Reflexe auf feuchtem Wundgrund erzeugt und Farben verfälscht.
  6. Position dokumentieren: Gleiche Lagerung der Patientin bzw. des Patienten bei jedem Foto — sonst sind Verlaufsbilder nicht vergleichbar.
  7. Sofort zuordnen: Datum, Uhrzeit und Patient:in müssen eindeutig zum Bild gehören — am zuverlässigsten automatisch durch die Dokumentationssoftware.

Häufige Fehler bei der Fotodokumentation

  • Kein Maßstab im Bild — die Wundgröße bleibt Interpretationssache.
  • Wechselnde Beleuchtung — Rötungen und Beläge wirken auf jedem Bild anders.
  • Zoom statt Nähe — Digitalzoom kostet Schärfe und Detail.
  • Fotos ohne Zuordnung — nach einer Tour mit mehreren Patient:innen sind unbeschriftete Bilder nicht mehr sicher zuzuordnen.
  • Nur fotografieren, nicht beschreiben — das Foto ergänzt die strukturierte Wunddokumentation, es ersetzt sie nicht.

Vom Foto zur Messung: digitale Wundvermessung

Moderne Wunddokumentationssoftware macht aus dem Foto einen Messwert: Mit einem Maßstab im Bild berechnet die Software Wundfläche und Größenverlauf automatisch und stellt die Heilung als Kurve dar. Das ersetzt das fehleranfällige manuelle Ausmessen und macht Stagnation früh sichtbar.

WundBüro kombiniert Wundfotos mit KI-gestützter Vermessung per Maßstab-Overlay: fotografieren, Maßstab markieren, Fläche und Verlauf werden automatisch berechnet — direkt in der Patientenakte, DSGVO-konform in EU-Rechenzentren. Details dazu finden Sie in der Dokumentation zur Flächenmessung.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind die jeweils geltenden Gesetze und die Vorgaben Ihrer Einrichtung.

Häufige Fragen

Darf ich Wundfotos mit dem privaten Smartphone machen?

Davon ist dringend abzuraten. Wundfotos sind Gesundheitsdaten nach Art. 9 DSGVO. Landen sie in der privaten Foto-Galerie oder einer automatischen Cloud-Synchronisation, liegt schnell ein Datenschutzverstoß vor. Verwenden Sie eine dedizierte, DSGVO-konforme Dokumentations-App, die Fotos direkt in der Patientenakte speichert.

Brauche ich eine Einwilligung für Wundfotos?

Ja. Die Fotodokumentation verarbeitet Gesundheitsdaten und braucht eine Rechtsgrundlage — in der Regel die dokumentierte Einwilligung der Patientin oder des Patienten bzw. der gesetzlichen Vertretung, ergänzend zum Behandlungsvertrag.

Wann im Verbandwechsel wird das Wundfoto gemacht?

Üblich ist das Foto nach der Wundreinigung und vor dem Anlegen der neuen Wundauflage — so ist der Wundgrund beurteilbar und die Aufnahmen bleiben über den Verlauf vergleichbar.